(Der Inhalt dieses Artikels wurde ursprünglich auf Forbes.com)
Erstausrüster (OEMs) und Tier-1-Zulieferer der Automobilindustrie müssen ständig innovativ sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den sich wandelnden Kundenanforderungen gerecht zu werden. Die Trends hin zu vernetzten Fahrzeugen, softwaredefinierten Fahrzeugen, fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen und autonomem Fahren erfordern eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Die Möglichkeit, Produkte nach dem Verkauf zu aktualisieren, kann sowohl die Chancen als auch den Bedarf an Innovationen erweitern.
Im Zuge dieser Umstellungen setzen viele Hersteller auf die Cloud als grundlegendes Instrument für Innovationen. Sie kann ihnen dabei helfen, die Produktentwicklung und -verbesserung zu optimieren und anschließend die Fahrzeugleistung unter realen Bedingungen zu erfassen, um fortlaufende Optimierungen und Upgrades vorzunehmen.
Zwar kann die Cloud Unternehmen Vorteile bieten, indem sie ihnen ermöglicht, neue Dienste hinzuzufügen und Dienste von Drittanbietern zu integrieren, doch gibt es auch wesentliche Herausforderungen, die es zu beachten gilt, um den Erfolg sicherzustellen.
Wie Cloud Computing die Automobilindustrie voranbringt
Hier sind die vier Bereiche, in denen die Cloud OEMs und Tier-1-Zulieferer dabei unterstützt, innovativ zu sein und im Wettbewerb zu bestehen.
1. Daten gewinnen durch Integration an Bedeutung
Fahrzeugsensoren, Anwendungen und Dienste generieren von Jahr zu Jahr mehr Daten. Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und autonome Fahrzeuge (AVs) treiben diesen Trend voran. Die Cloud bietet Automobilunternehmen zahlreiche Tools zur Erfassung, Integration, gemeinsamen Nutzung und Verteilung dieser Daten.
Mithilfe von Cloud-Speicher können OEMs Daten aus verschiedenen Quellen über einen umfassenden, cloudbasierten Data Lake integrieren, um Datenpunkte miteinander zu verknüpfen und so neue Erkenntnisse zu gewinnen. OEMs können Fahrzeugdaten in Echtzeit erfassen und diese beispielsweise zur Personalisierung von Fahrzeugen nutzen, indem sie die in der Cloud gespeicherten Fahrereinstellungen heranziehen. Über Funk erfasste Wartungsdaten können zudem an Händler und Flottenmanager weitergegeben werden, noch bevor ein Fahrzeug in der Werkstatt eintrifft.
2. Analytik vervielfacht die Intelligenz
Cloud Computing bietet enorme Rechenleistung zur Analyse von Daten für neue Anwendungen. Dazu können Leistungsoptimierungen, die Weiterentwicklung von Funktionen auf der Grundlage der Kundennutzung sowie neue Dienstleistungen von Partnern wie beispielsweise Versicherern gehören.
Entwickler können Echtzeitdaten zu Bauteilen in einem Regelkreis nutzen. Sie beobachten die Leistung des Bauteils, passen dessen Einstellungen an und erfassen anschließend weitere Daten zur weiteren Optimierung. Die Kombination aus Datenintegration und Analyse kann die Wirkung noch verstärken. So könnte beispielsweise ein Erstausrüster Daten zum Antriebsstrang eines Fahrzeugs über die Cloud an seinen Reifenlieferanten weitergeben und die Erkenntnisse des Lieferanten zur Verbesserung der Traktionskontrolle nutzen.
3. Prototypenbau geht neue Wege
Software-Prototyping in der Cloud ist schneller, qualitativ hochwertiger und kostengünstiger. Betriebssysteme, Middleware und Anwendungen ändern sich mittlerweile ständig, und die Verwendung herkömmlicher Hardware-Testumgebungen zur Simulation von Fahrzeugen kann die Entwicklung verlangsamen.
Cloud-Plattformen können virtuelle Fahrzeugumgebungen hosten, in denen eine unbegrenzte Anzahl von Entwicklerteams mit dem neuesten Code arbeiten kann. Dies ermöglicht „Shift-Left“-Tests und -Validierungen, durch die Konflikte bereits im Verlauf des Entwicklungsprozesses gelöst werden können. Teams können zudem Verkehrsszenarien in der Cloud simulieren, um ADAS- und AV-Software zu testen. Die nach dem Verkauf von Fahrzeugen gesammelten Daten helfen den OEMs dabei, Funktionen zu verbessern, neue zu entwickeln und zukünftige Modelle zu konzipieren.
4. Für Automobilhersteller gibt es zahlreiche Liefermöglichkeiten
Die Cloud verbessert zudem die Over-the-Air-Updates (OTA). Derzeit senden Hersteller Updates an Fahrzeuge mit unterschiedlichen Softwareumgebungen, was mitunter zu unvorhergesehenen Konflikten und Ausfällen führen kann. In der Cloud können sie die Software und Hardware jedes einzelnen Fahrzeugs aus der Ferne analysieren und ein Update anschließend „testen“, um herauszufinden, wie es sich auf das Fahrzeug auswirken würde, bevor es bereitgestellt wird.
Bewältigung der Herausforderungen im Bereich Cloud Computing in der Automobilbranche
Cloud Computing und die digitale Transformation stellen für OEMs einen bedeutenden Wandel dar und bringen zahlreiche Herausforderungen mit sich. Mit den richtigen Vorgehensweisen und Technologien lassen sich diese Herausforderungen bewältigen.
1. Sicherheit und Datenschutz
Die cloudbasierte Speicherung und Weitergabe von Fahrzeug- und Besitzerdaten birgt das Risiko, dass Daten in die falschen Hände geraten. Cyberkriminalität oder versehentliche Datenlecks können dem Geschäft und dem Ruf eines Automobilherstellers schaden oder zu Geldstrafen wegen Datenschutzverletzungen führen. Durch die Migration in die Cloud gelangen die Daten außerhalb des gesicherten Perimeters eines Automobilherstellers, weshalb neue Schutzmaßnahmen erforderlich sind, die Partner, Zulieferer und Cloud-Anbieter gleichermaßen umfassen.
Eine umfassende, cloudbasierte Lösung für die Automobilbranche umfasst bewährte Sicherheitsmaßnahmen für alle Aspekte des Datenumgangs. Sie kann ruhende Daten verschlüsseln und diese während der Übertragung mithilfe von TLS (Transport Layer Security) verschlüsseln. In einem gemeinsam genutzten Data Lake sorgt eine rollenbasierte Zugriffskontrolle dafür, dass Benutzer nur auf die Informationen zugreifen können, die sie benötigen. Alle Schutzmaßnahmen lassen sich so konfigurieren, dass sie den weltweiten Datenschutzgesetzen entsprechen.
2. Datenvolumen und Komplexität
Die Anbindung vernetzter Fahrzeuge an die Cloud kann riesige Datenmengen aus Kameras, Radarsystemen und anderen Sensoren generieren. Die Kosten für die Übertragung dieser Daten über Netzwerke und deren Speicherung in der Cloud könnten die Vorteile einer Cloud-Migration schmälern. Zu große Datenmengen verlangsamen die Analyse und verteuern sie.
Eine detaillierte, zielgerichtete Datenerfassungsplattform kann dazu beitragen, unnötige Überlastungen zu vermeiden. Zur Diagnose eines Bauteilausfalls können Daten ausschließlich von Fahrzeugen hochgeladen werden, die mit diesem Bauteil ausgestattet sind, und zwar nur während des Betriebs des Bauteils. Ein Erstausrüster kann die Datenerfassung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse mithilfe von Informationen aus anderen Quellen wie Wetteraufzeichnungen und Analysewerkzeugen von Drittanbietern, darunter Cloud-Betreiber, weiter verfeinern.
3. Eingeschränkte Fahrzeugkonnektivität
Die cloudbasierte Überwachung und Aktualisierung während der gesamten Lebensdauer eines Fahrzeugs bringt die Herausforderung mit sich, dass drahtlose Netzwerke genutzt werden müssen, die mitunter langsam sind und in manchen Gebieten eine unzuverlässige Verbindung aufweisen können. Mobilfunkbandbreite ist teuer, und langwierige Software-Updates sind für die Besitzer lästig und für die Erstausrüster schwer zu bewältigen.
So wie eine gezielte Datenerfassung den Bandbreitenbedarf im Downstream minimieren kann, reduziert die Übertragung von Richtlinien anstelle von Code den Bedarf an schnellen Upstream-Verbindungen zu den Fahrzeugen erheblich. Ein Workflow-Rezept, das nur wenige Kilobyte groß ist, kann einen Software-Agenten im Fahrzeug anweisen, eine Reihe von Aktionen zu verketten, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Es kann an die Stelle eines OTA-Software-Updates treten, das Gigabyte an Code enthält.
Weitreichendere Perspektiven für mutige Innovatoren
Die vielfältigen Möglichkeiten der Cloud können dazu beitragen, OEMs und Tier-1-Zulieferer von den Einschränkungen bei der Datenerfassung, -integration, -weitergabe und -analyse zu befreien, die die Softwareentwicklung und -bereitstellung seit Jahren behindern. Indem sie sich die Cloud-Technologie zunutze machen und daran arbeiten, etwaige Herausforderungen zu meistern, können innovative Anbieter diesen Ansatz in vielerlei Hinsicht zu ihrem Vorteil nutzen.
Erfahren Sie, wie die Fahrzeug- und Cloud-Softwareprodukte sowie -Lösungen von Sonatuses Automobilherstellern und Zulieferern ermöglichen, die Vorteile der Cloud zu nutzen, um Fahrzeuge während ihrer gesamten Lebensdauer dynamisch konfigurierbar zu machen und kontinuierlich zu verbessern.
